Zum Inhalt springen

Die richtige Erstversorgung bestimmt den weiteren Verlauf!

Erleidet man eine Verletzung, wünscht man sich primär Schmerzfreiheit und eine gute Behandlung.

Unsicherheiten wie unbeantwortete Fragen oder das Gefühl "im Regen" stehen gelassen zu werden, beeinflussen den Heilungsverlauf negativ.

Frakturen der Speiche (Radius)

Frakturen der Speiche (Radius) werden unter Lokalanästhesie und unter gemäßigtem Zug eingerichtet.
Gelingt dieses Vorgehen jedoch schwer, liegt eine instabile Fraktur vor.

Eine Verkippung des gelenkstragenden Anteils von mehr als 25 Grad mit streckseitiger Trümmerzone oder eine  Smith-Fraktur, sind Indikationen für eine operative Stabilisierung, um eine Fehlstellung mit Bewegungseinschränkung zu vermeiden und einer vorzeitigen Arthrose vorzubeugen.
Eine stabile Osteosynthese mittels Schrauben und Platten ist anzustreben, um eine sofortige Bewegungstherapie ohne Gips zu ermöglichen.
Gelenksnahe Frakturen werden von mir bei Verdacht auf ein eingeschlagenes Fragment, arthroskopisch assistiert operiert.

Frakturen der Handwurzelknochen

Frakturen der Handwurzelknochen, meist des Kahnbeins werden häufig übersehen. Anhaltende Beschwerden sind daher weiter abzuklären.
Sollte eine weitere Diagnostik erforderlich sein, ist das CT dem MRT oft vorzuziehen.

Je nach Alter des Bruches und der Bruchlokalisation (Brüche im körpernahen Drittel) ist eine operative Sanierung dann erforderlich, wenn die Gefahr der Pseudarthrose (kein Verheilen der Fraktur und Bildung eines "Falschgelenkes") besteht.
Therapie: Verschraubung oder Verplattung, je nach Stabilität der Osteosynthese, Handgelenksorthese und Bewegungstherapie.

Mittelhandfrakturen

Mittelhandfrakturen werden mit einer eigenen Verbandsanlage dynamisch nachbehandelt.
Bei ausgeprägten Verkürzungen oder Achsenfehlstellungen werden diese mittels einer kleinen Platte korrigiert und können ohne Fixation dynamisch ausbehandelt werden.

Fingerfrakturen

Frakturen der Finger werden je nach Grund-, Mittel- oder Endglied unterschiedlich ausbehandelt. 
Ziel ist die funktionelle Nachbehandlung um Verklebungen und Einsteifungen zu vermeiden.

Ruptur von karpalen Bändern

SL-Bandruptur, LT-Bandruptur

SL-Bandruptur: Die Ruptur des Scaphulo-Lunären Bandes wird verursacht durch einen Sturz auf das Handgelenk.

Aufgrund der oft nur geringen Schmerzsymptomatik wird diese Verletzung meist negiert und erst als SL-Dissoziation zu spät erkannt. 

Kombiniert findet sich die SL-Bandruptur häufig bei Speichenbrüchen mit Gelenksbeteidigung.
Dieses "Schlüsselband" eröffnet bei einer kompletten Ruptur die Einheit der ersten Handwurzelreihe. 
Unbehandelt führt es zu einem "karpalen Kollaps", mit Verkippung der anschließenden Handwurzelknochen Kahn- und Mondbein und in weiterer Folge zu einem Herabsinken des Kopfbeines in die erste Reihe. 

LT-Bandruptur: Die Ruptur des LT-Bandes (Luno-Triquetrales Band: Band zwischen Mond- und Dreieckbein) tritt selten als isolierte Verletzung, sondern als Kombinationsverletzung bei Luxationsverletzungen des Handgelenkes, auf.
Die degenerative Lockerung dieses Bandes ist in Kombination mit einer Ellen-Plus-Varianz oder einer mediocarpalen Instabilität zu sehen.

Therapie: siehe Ellen-Plus-Varianz und mediocarpale Instabilität

"Skidaumen" oder "inverser Skidaumen"

Unter einem "Skidaumen" versteht man die Ruptur des inneren (ulnaren) Seitenbandes am Grundgelenk des Daumens. Eine exakte klinische Untersuchung zeigt, ob das Gelenk stabil ist oder die Indikation zur Operation besteht Stener-Läsion. Eine zusätzliche Röntgenaufnahme klärt, ob es sich dabei um einen knöchernen Ausriss handelt. Eine Sonographie ist bei unklaren Verhältnissen hilfreich.

Therapie: Reinsertion des Bandes mittels Fadenanker oder Schraube. Postoperativ erfolgt eine Ruhigstellung in einer Softcastfixation bis zum Handgelenk für 4-6 Wochen.
Diese verhindert eine Instabilität und in der weiteren Folge eine vorzeitige Arthrose.

"inverser Skidaumen"
ist die Ruptur des äußeren (radialen) Seitenbandes. 
Die klinische Bandprüfung ist hier schwieriger. Auffallend ist ein beugeseitiges Abfallen des Grundgelenkes im Vergleich zur Gegenseite, sowie ein zum Zeigefinger abweichendes Grundgelenk.
Besteht die Verletzung bereits längere Zeit, fixiert sich die Fehlstellung. Bemerkt wird eine Schwäche bei Benutzen des Daumens und beginnende Schmerzen an der Innenseite es Grundgelenkes. Irrtümlich wird damit eine veraltete Innenbandverletzung angenommen. 

Therapie: Reinsertion des Sehnenbandkapselapperates mittels Fadenanker. Postoperativ Anlage eines kurzen Softcastgipses für 6 Wochen in leichter Abduktion und Opposition des Daumens.
Bei veralteten Verletzungen, wo es bereits zur Bildung einer Abnutzung der Gelenksknorpel und zur Fehlstellung kam, ist die Versteifung des Grundgelenkes empfehlenswert um wieder Kraft beim Fein- und Grobgriff des Daumens aufzubauen

Seitenbandverletzung an Zwischenfingergelenken

Seitenbandverletzungen an der Innen- oder Außenseite eines Fingergelenkes sind oft kombinierte Verletzungen im Rahmen eines Verdrehungs- oder Stauchungstraumas. Mittels eines hochauflösenden Ultraschallkopfes lässt sich das Ausmaß gut darstellen. Entsprechend wird dann die Therapie, operative Refixation oder Schienenanlage bzw. Taping zum angrenzenden Finger, entschieden.

Verletzung der Strecksehnen

Verletzung der Strecksehne am Endgelenk

Der Abriss der Strecksehne am Endgelenk wird auch "Mallet-Finger" genannt. Eine aktive Streckung ist nicht mehr möglich. 
Eine reine Sehnenruptur erfordert eine Schienenbehandlung des Endgelenkes von mindestens 12 Wochen.
Bei einem knöchernen Abriss kann es je nach Größe des knöchernen Fragmentes zu einem Abgleiten des Endgelenkes kommen. Die operative Versorgung mittels einer Minischraube ist dann erforderlich um eine bleibende Hackenstellung des Endgliedes zu vermeiden.

Verletzung der Strecksehne über dem Mittelgelenk

Bei Verletzung der Strecksehnenhaube über dem Mittelgelenk kommt es immer zu einer Durchtrennung oder Ruptur des sehr wichtigen Mittelzügels (Tractus Intermedius).
Dabei eröffnet sich dieser wie ein Knopfloch und das Köpfchen des Grundgliedes tritt durch (Knopflochdeformität, Boutonnière- Deformität)
Bleibt diese Verletzung primär unversorgt, resultiert daraus eine Knopflochdeformität mit einer zunehmenden Streckbehinderung, die nur sehr schwer korrigierbar ist.

Verletzung der Strecksehne über dem Grundgelenk

Bei einer Schnittverletzung über dem Grundgelenk kommt es zu einer Durchtrennung des sehr kräftigen Mittelzügels. Eine Streckverminderung ist dabei sofort auffallend. Durch eine Sehnennaht und eine postoperative Anlage einer protektiven Streckschiene für 4 - 6 Wochen (je nach Durchtrennungsausmaß) ist diese Verletzung gut therapierbar.

Kommt es jedoch bei einer Schlag- oder Stoßverletzung zu einer tangentialen, in Sehnenrichtung verlaufenden Verletzung, weicht die Sehnenhaube langsam auseinander und fällt seitlich ab.
Es bildet sich ein starker Sehnenkallus der zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung führt.

Die Verletzung ist primär leicht zu übersehen. Eine Ultraschalluntersuchung zur weiteren Abklärung ist dem MRT vorzuziehen. (MRT-Wartezeiten: oft bis zu drei Monate!)

Nach der operativen Rezentrierung der Strecksehne erfolgt eine spezielle Verbandsanlage für 4 - 6 Wochen, die nur eine Beugung im Grundgelenk bis 60 Grad zulässt, um die Naht zu schonen.

Sehnenverletzungen in Höhe der Mittelhand und des Handgelenkes

Strecksehnenverletzungen der Mittelhand und des Handgelenkes können durch spezielle Nahttechniken oft gleich mobilisiert werden und benötigen keine Fixation in Form von dynamischen Schienen.

Verzögerte Rupturen der langen Beugesehne des Daumens, als auch der Strecksehnen nach Speichenfrakturen oder im Rahmen rheumatischer Erkrankungen benötigen zur Rekonstruktion oft einen Ersatz durch Sehnentransfer (z.B. Extensor Indicis Plastik)

Akutversorgung

Die Versorgung verletzter Nerven erfordert eine frühzeitige Versorgung und gleichzeitig den geübten Einsatz eines Mikroskops oder zumindest einer mikrochirurgischen Brille, da sich dadurch die Prognose der Heilung deutlich verbessert.
Die Regeneration der Nerven benötigt Zeit und damit Geduld. Eine begleitende Handtherapie ist von Vorteil, da es wichtig ist den heilenden Nerv in seinen Gleitschichten zu bewegen.

Spätversorgung

Bei veralteten Nervenverletzungen oder Durchtrennungen ist ein Nerventransplantat erforderlich.
Jedoch muss die "Kosten-Nutzenfrage" klar abgewogen werden.